Unsere Augen leisten Unvorstellbares

Rund 80 Prozent aller Informationen aus der Umwelt werden uns durch den Sehsinn geliefert. Jede Sekunde nehmen unsere Augen mehrere Milliarden Lichtsignale auf und leiten pro Sekunde 10 Millionen Informationen an das Gehirn weiter.

Damit wir die Welt bunt und kontrastreich sehen können, verfügt unsere Netzhaut über lichtempfindliche Nervenzellen. Die 120 Millionen sogenannten Stäbchen ermöglichen uns das Hell-Dunkel-Sehen und die ca. 60 Millionen Zapfen sind verantwortlich dafür, dass wird die Welt in Farben sehen. Wir können etwa 150 Farbtöne unterscheiden und diese bis zu zehn Millionen Farbabstufungen kombinieren.

Aus Millionen Informationen entsteht unser Bild der Welt
Damit wir die Welt sehen können müssen unsere Augen die elektromagnetischen Wellen des Lichtes in Nervenimpulse umwandeln und diese über den Sehnerv an das Gehirn weiterleiten. Erst hier entsteht aus den Informationen beider Augen ein einheitliches Bild. Unser Gehirn sortiert, interpretiert, verknüpft, bewertet und verarbeitet diese Informationen, damit wir Formen, Konturen, Strukturen, Helligkeitsunterschiede, Bewegungen, Objekte und Personen erkennen und verstehen können.

Bei der Verarbeitung der visuellen Impulse werden gleichzeitig auch die Informationen der anderen Sinnessysteme (Eigenbewegung, Gerüche, Emotionen, Geräusche etc.) verarbeitet. Zudem vergleicht unser Gehirn die aktuellen Bilder und Sinneseindrücke mit sämtlichen Bildern und Bildinformationen, die wir im Laufe unseres Lebens bereits gesammelt und abgespeichert haben. Es berücksichtigt hierbei ebenfalls unsere Erfahrungen, Emotionen, Gewohnheiten, Stimmungen, Erwartungen sowie Gedächtnisinhalte und persönliche Sichtweisen. Kein Wunder, dass etwa ein Viertel des gesamten Gehirns und ca. 60 Prozent der Großhirnrinde damit beschäftigt sind, aus dieser Informationsflut das Wichtigste herauszufiltern, um uns ein stimmiges Abbild der Welt zu konstruieren.

Sehen muss gelernt sein
Dass wir nach der Geburt das Sehen über Jahre hinweg erst lernen müssen, zeigt, dass Sehen eine komplexe Aufgabe für unser Gehirn und unsere Augen ist. Ein Baby sieht am Anfang seines Lebens die Welt verschwommen und als eine einfarbige Masse mit dunkleren und helleren Flächen. Erst in den ersten Lebensmonaten bis Lebensjahren entwickeln sich die Sehschärfe, das räumliche Sehen und die Fähigkeit, Farben und Kontraste sehen zu können.

Das Sehen seine Bedeutung für Kulturtechnik und Sozialleben
Unsere Augen übernehmen vielfältige Aufgaben damit wir uns in unserer Umwelt zurecht finden und entsprechend auf unsere Umwelt reagieren können. Unsere Augen koordinieren beinahe jede Handlungsfolge unseres Körpers, sodass wir Besteck benutzen oder unser Gleichgewicht halten können. Sie vermitteln uns Informationen zu Gestalt, Größe, Menge, Form, Lage, Struktur, Beschaffenheit und Geschwindigkeit der Menschen und Gegenstände um uns herum. Und auch für unser Sozialleben liefert der Sehsinne entscheidende Informationen. Durch ihn erkennen wir, ob es sich um bekannte oder fremde Gesichter handelt, ob diese lächeln oder traurig sind und wir können soziale Gesten wie Zwinkern oder Winken wahrnehmen. Auch beim Lesen, Schreiben und Rechnen ist ein gesunder Sehsinn von großer Bedeutung. Durch ihn erkennen wir erst, ob es sich um Formen, Symbole, Ziffern oder Buchstaben handelt und in welchem Zusammenhang
diese miteinander stehen. Eine gut entwickelte visuelle Wahrnehmung ist daher die Voraussetzung, die Welt zu verstehen, uns in Beziehung zu ihr zu setzen und uns sicher in ihr Bewegen und auf sie reagieren zu können.

Moderne Gesellschaft: Reizüberflutung für unsere Augen
Obwohl Kinder noch mit Hochleistung und viel Energie mit dem „Sehenlernen“ beschäftigt sind, werden sie in unserer heutigen Gesellschaft durch Fernsehen, Video, PC, Lichtreklamen und grellen Farben einer wahren Reizüberflutung ausgesetzt, die Chaos in den Kopf bringt und das „Sehenlernen“ erschwert oder sogar negativ beeinflussen kann.

Die Natur entspricht unserer natürlichen Wahrnehmungskapazität
Wir sollten die visuelle Wahrnehmungsfähigkeit unserer Kinder daher nicht überfordern sondern auf spielerische Art und Weise fördern. Kinder lernen während des Spiels in der Natur genau hinzuschauen, sich zu konzentrieren und Eigenschaften der Umwelt wahrzunehmen. Die Natur bietet ein natürliches Angebot an visuellen Reizen, die unserer evolutionär entwickelten Wahrnehmungskapazität entspricht.

Aus Naturmaterialien können Memorys und Zuordnungsspiele entstehen, es kann auf die Suche nach verschiedenen Strukturen z. B. unterschiedliche Baumrinden gegangen werden. Es können Tiere und Pflanzen beobachtet werden und auch für das altbekannte Spiel „Ich sehe was, was Du nicht siehst“ hält die Natur alles bereit, um unsere visuelle Wahrnehmungsfähigkeit auf angemessene Weise zu schulen und zu fördern.