Mit 3 x 3 x 3 bist Du beim Giersch dabei!

In der Gartentherapie sind Wildkräuter ein wunderbares Medium, um unser gesundheitliches Wohlbefinden zu stärken – sie sind ein Genuss für alle Sinne. Jetzt im Mai tut es mir persönlich immer ein ganz besonderes Kraut an: der Giersch (Aegopodium podagraria)!

In der Küche können die frischen Triebe als Salat gegessen, zu einer Quiche verarbeitet oder als Tee getrunken werden. Meine Gierschleibspeise ist Gierschpesto – das Rezept möchte ich gerne mit euch teilen.

Wildkräuter sind wahre Allroundtalente
Als Wildkräuter werden krautige Pflanzen bezeichnet, die zum Verzehr geeignet und nicht durch Züchtung entstanden sind, also in ihrer ursprünglichen und natürlichen Form vorkommen. Sie wachsen je nach Art auf Wiesen, Äckern, im Park, Wald oder auch im eigenen Garten. Viele Wildkräuter werden auch als Heilkräuter bezeichnet, da ihnen eine positive Wirkung auf unsere Gesundheit nachgewiesen ist.

Bei Belastung durch Stress können Wildkräuter bei einem Waldspaziergang für die nötige körperliche Betätigung und Entspannung sorgen. Denn die Gaben der Natur müssen vor der Verarbeitung gesucht und gesammelt werden. Die Bewegung an frischer Luft, das tiefe Durchatmen sowie das Einatmen der klaren Waldluft und das konzentrierte Beobachten der Umgebung, wo sich das gewünschte Kraut wohl erblicken lässt, lassen den Alltag und seinen Stress vergessen. Viele Kräuter (z. B. Echte Kamille oder der honigsüße Durft des Mädesüß) verfügen über sehr aromatische ätherische Öle, die sich oft schon durch bloße Berührung oder leichtes Drücken der Blätter entfalten und die Sinne berauschen. Die 1500 essbaren Wildkräuter, die in Deutschland wachsen, lassen auch in der Küche keine Wünsche für die Sinne übrig. In den Blättern, Blüten und einigen Wurzeln steckt ein großes Plus für die Gesundheit: Vitamine, Mineralien, Gerb- und Bitterstoffe, ätherische Öle sowie sekundäre Pflanzenstoffe, geben unserem Immunsystem nach dem langen Winter einen gesunden Kick. Doch sie wirken auch als Tee, Kompressen, Tinkturen, Liköre oder in Naturkosmetik. So heilen sie die Haut, lockern verspannte Muskeln, beruhigen die Nerven oder schenken einen tieferen Schlaf.

Giersch, das Kraut gegen Gicht
Das lateinische Wort „Podagra“ das im botanischen Namen des Gierschs „Aegopodium podagraria“ ist zu finden ist, bedeutet auf lateinisch Gicht und zeigt, dass der Giersch traditionell als Heilpflanze vor allem bei Gicht eingesetzt wurde. Durch seine entzündungshemmende und harnsäurelösende Eigenschaften findet er aber auch bei Rheuma und Blasenentzündung Anwendung.

Mit 3 x 3 x 3 bist Du beim Giersch dabei!
Er wächst ohne Probleme im eigenen Garten, ist aber auch in lichten Wäldern zu finden. Er wächst so gut und robust, dass viele Gärtner auf ihn schimpfen, da er sich schnell und gerne ausbreitet! Ich sage ja immer: der Giersch wächst nicht zu schnell, wir essen ihn nur zu langsam! Der Giersch kann von April bis Juli geerntet werden und gehört zu den Doldenblütengewächsen. In der Volkskunde ist er unter anderem auch als Dreiblatt, Erdholler (sein Austrieb erinnert an den von Holunder) oder Geißfuß bekannt. Seinen letzten Namen verdankt er seinen Blättern, die sich dreifach in Fiederblättchen aufteilen und so an einen Ziegenfuß erinnern. Um den Giersch eindeutig zu erkennen, gibt es folgende Eselsbrücke: Mit 3 x 3 x 3 bist Du beim Giersch dabei: Er hat drei Fiederblättchen, von denen das oberste aus wiederum drei Blättern besteht und sein Stengel ist spürbar dreikantig. Die Blüten zeigen sich in weißen Dolden aus winzigkleinen Einzelblüten, die an 12 bis 25 Blütenstängeln sitzen, die im Ganzen die Dolde bilden. Sein Geschmack kann an Möhren, Sellerie aber auch an junge Erbsen oder Spinat erinnern – das empfindet jeder immer etwas anders. Für mich persönlich ist es eine Mischung aus Möhren und Erbsen.

Leibspeise Gierschpesto – so gut!
Für ein normales Marmeladenglas (ca. 250-300 ml) benötigt ihr:

  • ein Gemüsenetz (z. B. wie sie im Supermarkt verwendet werden) voller Giersch
  • 2 Knoblauchzehen (nach Lust und Geschmack auch gerne mehr oder weniger!)
  • ca. 80 g geriebenen Parmesan oder anderen Hartkäse (ich habe es auch schonmal mit Cheddar gemacht)
  • ca. 200 ml Rapsöl, so viel, bis das Pesto eine geschmeidige Konsistenz hat (Olivenöl hat hat für mich einen zu starken Eigengeschmack)
  • 80 g Cashewkerne oder andere Nüsse (ich nehme gerne auch Walnüsse)
  • Salz und Pfeffer nach Belieben
  • 1-2 Tl frisch gepressten Zitronensaft

Nach dem die dickeren Stengel entfernt, die Kräuter gewaschen und abgetrocknet sind (eine Salatschleuder ist dafür super), wird alles miteinander in ein höheres Behältnis (z. B. ein Messbecher) gegeben und mit dem Pürierstab zu einem cremigen Pesto püriert. Mit Salz und Pfeffer abschmecken – und fertig! Wenn das Pesto in ein Glas gefüllt wird, sollte das Pesto zum Abschluss mit ein wenig Öl bedeckt werden! Das verhindert die Oxidation und macht das Pesto einige Tage haltbar – wenn es nicht vorher aufgegessen wird, hält es sich so bis zu 3 Tage im Kühlschrank!

Kleiner Tipp: da ich nicht anders kann und immer auch andere Wildkräuter als nur Giersch sammle: in Dein Pesto kannst Du auch Schafgarbe, Brennnessel, Gänseblümchen, Löwenzahn, Sauerampfer, Minze oder Zitronenmelisse machen – Deinem Geschmack und Deiner Kreativität sind dabei keine Grenzen gesetzt! Aber bedenke immer, dass es sich bei Wildkräutern und wirksame Pflanzen handelt und hier weniger statt mehr die Devise ist!

Besonders gut schmeckt mir das Pesto auf selbst gebackenem Brot mit Frischkäse!