Baden im Wald

Für mich ist Gartentherapie mehr, als die reine Tätigkeit im Garten. Sicher, im Garten können wir nach unseren Vorstellungen die Natur gestalten. Wir graben um, säen, gießen, pflegen, ernten, sind eben körperlich und geistig tätig. Doch die Natur hört nicht am Gartenzaun auf. Außerhalb des Gartenzauns, hat die Natur keine bessere aber eine andere Qualität. Hier können wir zwar nicht mit Säge, Spaten und Schere agieren, hier können wir dafür aber einfach sein und wieder mit uns selbst und unseren Wurzel in Kontakt kommen – wie beim Waldbaden!

Natur – Spiegel unserer Seele
Wie wir, verändert sich die Natur ständig, ist nie frei von Widersprüchen und bietet doch zugleich verlässliche Kontinuität. Durch ihre beständige Unbeständigkeit und ihren steten Wandel, die sich im wiederkehrenden Wechsel der Jahreszeiten und im unaufhörlichen Werden und Vergehen zeigen, lösen sich unsere seelischen Widersprüche auf und verlieren ihr bedrohliches Potential. Wir finden in ihr Zuversicht, Vertrauen und Sicherheit – hier sind wir eben zu Hause. In der Natur kann sich unser Geist ausruhen und zu neuen Kräften kommen. Wir können den Reizen der immer schneller werdenden Gesellschaft entfliehen – wir können einfach sein, im Hier und Jetzt.

Ein Bad in der Atmosphäre des Waldes
Besonders gut gelingt dies im Wald. Daher möchte ich euch heute eine andere Methode des Naturerlebens vorstellen – das sogenannte Waldbaden. Denn vor allem beim Waldbaden können wir unter Inanspruchnahme aller unserer Sinne unsere Selbstheilungskräfte aktivieren. Waldbaden kommt aus Japan und heißt dort “Shinrin Yoku“ und bedeutet auf Deutsch so viel wie „ein Bad in der Atmosphäre des Waldes nehmen“. In Japan und Südkorea ist Waldbaden bereits ein fester Bestandteil der Gesundheitsvorsorge!

40 Millionen Deutsche regelmäßig im Wald
Bevor der Mensch sesshaft wurde war über Jahrtausende hinweg der Wald sein zu Hause. Er ernährte sich von dem, was er fand, konnte die Natur lesen, kannte Pflanzen und Tiere, war der Natur ganz nah und lebt im Einklang mit ihr. Heute nutzen jährlich rund 40 Millionen Deutsche regelmäßig den Wald, um spazieren zu gehen, Rad zu fahren, zu Joggen oder einer anderen Aktivität nachzugehen. Denn das evolutionäre Bedürfnis nach dem Wald ist auch heute noch tief in uns verankert und mit Wohlbefinden verbunden.

Über 5000 gesunde Stoffe in der Luft
In zahlreichen Studien wurde belegt, dass ein Bad im Wald den Blutdruck senkt, den Puls reguliert, die Ausschüttung von Stresshormonen senkt, unser Immunsystem stärkt und sogar Killerzellen gegen Krebs aktiviert. Neben der tiefen Entspannung und Ruhe, die wir im Wald spüren, sind es vor allem die Phytonzide, die positiv auf Geist und Körper wirken. Phytozide sind flüchtige bakterielle Substanzen– es gibt mehr als 5000 verschiedene – die Bäume an die Luft abgeben, um sich vor gefräßigen Bakterien, Pilzen, Insekten und Tieren zu schützen, die zum Verfall des Baumes führen würden. Diese nehmen wir mit jedem Atemzug auf und stärken somit unser eigenes Immunsystem, denn die Substanzen übernehmen auch in uns ihre schützende Aufgabe!

Schon nach 15 Minuten treten die ersten positiven Wirkungen auf Körper und Geist ein. Ab einem zweistündigen Waldspaziergang können die positiven Wirkungen noch bis zu einer Woche anhalten.

Natur = Sinne = Selbstheilung
Also, egal, ob Garten, Park, Wiese oder Wald, regelmäßiger Naturkontakt ist die Grundvoraussetzung für unsere Selbsterhaltung, Selbstheilung und Entwicklung. Wir sollten regelmäßig bewusst in die Natur gehen, uns mit ihr beschäftigen, sie mit allen Sinnen entdecken, erleben und erfahren. Denn wir können uns nicht von der Natur entfremden, wenn wir zufrieden und gesund leben wollen.

Wer mehr zum Thema Waldbaden erfahren möchte, findet bei der Deutschen Akademie für Waldbaden weitere spannende Infos!